Über Kimonostoffe

 

Für die Kimono Kalligraphie werden Kimonostoffe verwendet, die in Japan gespendet wurden. Es werden nur Kimonostoffe aus Seide verarbeitet.

 

Im heutigen Japan gibt es kaum noch Menschen, die im Alltag Kimonos tragen, außer jene, die beruflich Kimonos tragen. Doch viele Mädchen und Frauen nutzen Anlässe, um einen Kimono zu tragen, etwa zur 3 Jahr- oder 7 Jahrfeier, Volljährigkeitsfeier, Hochzeiten, oder die Einschulungsfeier und Graduierungsfeier der Kinder. An besonders festlichen Tagen den schönen Kimono, also die traditionelle japanische Kleidung zu tragen, ist für die japanische Frau die Erfüllung einer Sehnsucht. 

 

Diese Kimonos werden entweder von der Mutter oder auch Großmutter geerbt, oder die Eltern schaffen für die Tochter einen Kimono an. In jedem Fall sind besondere Gefühle mit dem Kimono verbunden. Doch die meisten dieser Kimonos werden nur alle paar Jahre einmal getragen, und verbleiben den Rest der Zeit im Kleiderschrank.

 

In Japan, wo die Luftfeuchtigkeit hoch ist, ist es kein Einfaches, einen Seidenkimono zu verwahren.

 

Außerdem kann ein Seidenkimono nicht gewaschen werden, und es ist aufwendig, ihn nach dem Tragen zu pflegen. Doch wenn man dies vernachlässigt, passiert es oft, dass nach einigen Jahren Flecken entstehen, die nur vom Fachhändler behandelt werden können. 

 

Deshalb ist es eine Tatsache, dass sich viele Menschen dazu entscheiden, sich von ihrem Kimono trennen, obwohl sie ihn nur einige Male getragen haben. 
 

 

Mit dem Wandel der Zeiten hat sich auch der Herstellungsprozess von Kimonos stark verändert. Neben vereinfachten Verfahren wie dem Druck mit Duck-Farbstoffen oder dem Siebdruck hat in den letzten Jahren vor allem der computergestützte Tintenstrahldruck Einzug gehalten. Zudem sind das Weben und Färben in Ländern wie Korea und China sowie das Schneidern in China und Vietnam heute weit verbreitet. Diese Schritte werden oft als unternehmerische Bemühungen verstanden, Kimonos zu niedrigen Preisen anzubieten.

 

Allerdings wird der genaue Herstellungshintergrund beim Verkauf oft im Unklaren gelassen oder verschwiegen.

 

Das Argument, erschwingliche Kimonos zu produzieren, um „die Kimono-Kultur zu verbreiten“, klingt auf den ersten Blick positiv. Doch in Wirklichkeit bedroht diese Preisentwicklung die Existenz derjenigen Handwerker in Japan, die diese Kunst mit ehrlicher Handarbeit bewahren. Denn ein traditioneller Kimono, der mit höchster Präzision, Zeit und erlesenen Materialien gefertigt wird, kann seinem Wesen nach nicht kostengünstig sein.

 

Es gibt Käufer, die preiswerte Kimonos bevorzugen, und solche, die den Wert traditioneller Techniken schätzen. Für mich geht es nicht darum, das eine oder das andere zu verurteilen. Vielmehr sehe ich es als ersten Schritt einer echten Traditionspflege, den Käufern die Hintergründe transparent zu erklären, damit sie eine bewusste und fundierte Kaufentscheidung treffen können.

 

Ob während der Meiji-Restauration, nach dem Zweiten Weltkrieg oder in der heutigen Gegenwart – die Weitergabe traditioneller Techniken stand in der Geschichte Japans selten vor so großen Herausforderungen wie heute.

 

Damit diese Fertigkeiten nicht aussterben und nachfolgende Generationen erreicht werden können, brauchen die Kunsthandwerker gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene Vergütung, die ihnen wirtschaftliche Unabhängigkeit sichert. Ebenso wichtig ist es, das kulturelle Wissen und die Geschichten hinter den Kimonos wieder aktiv im Alltag und in den Familien weiterzugeben.

 

Ich begegne der Geschichte und der handwerklichen Hingabe, die in jedem einzelnen Kimono stecken, mit tiefem Respekt und setze mich dafür ein, diesen unschätzbaren Wert für die Zukunft zu bewahren.

 

 

Die meisten Kimonos, die mich erreichen, stammen aus der Zeit vor der Verbreitung des Tintenstrahldrucks.

 

In den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs in Japan besaßen viele Frauen wertvolle, meisterhaft gefertigte Kimonos als Zeichen ihres erlesenen Geschmacks. Die Stücke aus dieser Blütezeit zeichnen sich durch kühne, verspielte Designs sowie eine Fülle an Farben und Mustern aus, wie man sie heute kaum noch findet.

 

Nachdem sie ihre Rolle als Kleidung erfüllt haben, finden diese Stoffe nun ihren Weg zu mir.

 

Egal aus welcher Epoche sie stammen: In jedem einzelnen Stück lebt der Stolz der Kunsthandwerker und die Fürsorge jener Menschen weiter, die diese Gewänder einst voller Wertschätzung getragen haben.

 

 

Aus tiefem Respekt vor all diesen Kimonos verwende ich für meine Kimono Kalligraphie ausschließlich Stoffe, die so irreparable Schäden aufweisen, dass sie als Kleidungsstück nicht mehr getragen werden können.

 

Geschichte

Herstellungsszenerie